TRE®
Trauma & Tension Releasing Exercises

Was ist TRE®

TRE® ist die Abkürzung für Tension, Trauma and Stress Releasing Exercises. Damit ist die Abfolge von sieben Übungen gemeint, welche von Dr. David Berceli entwickelt wurden, der in weltweiten Krisengebieten arbeitete und u.a. die Auswirkungen von Stress und Traumata untersuchte. Er beobachtete, dass z.B. nach dem Explodieren einer Bombe, alle Menschen die gleiche instinktive Reaktion zeigten: Ein Einrollen des Körpers, das beim Kopf beginnend sich nach unten ausbreitet und besonders durch die Kontraktion der Hüftbeuger der fötalen Haltung ähnlich ist. So schützen wir automatisch unseren Körperkern mit den inneren Organen.

Nach Abklingen der gefährlichen Situation bemerkte Dr. Berceli, dass v.a. Kinder zu zittern oder sich zu schütteln begannen. Er sah darin einen Reflex, den erfahrenen Stress abzuschütteln und dachte sich, wenn es eine solche natürliche Reaktion auf Stressabbau gab, dann musste es auch einen natürlichen Weg geben, diesen Prozess auszulösen.

In der Natur beobachtet man den Schüttelmechanismus hauptsächlich bei Säugetieren: Ist Fliehen oder Kämpfen nicht (mehr) möglich, wird, als eine letzte Möglichkeit des Überlebens in einer lebensbedrohenden Situation der Totstellreflex (freeze) im Organismus ausgelöst. Da viele Raubtiere kein Aas fressen, kann es passieren, dass sie von ihrer Beute, z.B. einer Antilope, ablassen. Diese beginnt nach einigen Minuten die durch den Fluchtreflex mobilisierte, aber durch das Totstellen nicht verbrauchte Energie abzuschütteln. Danach läuft sie ohne weitere Beeinträchtigungen weiter. Auf youtube gibt es hier einige Videos zu sehen.

"The body has been designed to renew itself through continous self-correction. These same principles also apply to the healing of psyche, spirit and soul."

– Peter A. Levine

Steinzeitgene

Unser Körper war und ist immer auf das Überleben ausgerichtet und reagiert erfolgreich mit seit Jahrtausenden bewährten Regulierungsmechanismen. In "stressigen" Situationen wird unser Organismus vom "Aktivierungsnerv" Sympathikus des autonomen Nervensystems vorbereitet: Energie wird mobilisiert und versetzt uns in den fight or flight Modus – wir sind handlungsfähig.

Sind aus irgendwelchen Gründen keine Beschwichtigung, kein Kampf und keine Flucht mehr möglich, übernimmt der ältere (dorsale) Anteil des Vagusnervs (Teil des Parasympathikus) aus dem Stammhirn ("Reptiliengehirn"), wir erstarren und sind nicht mehr handlungsfähig. Damit kann die zuvor mobilisierte Energie nicht ausagiert werden und bleibt im Körper "stecken".

Das reflexartige Schütteln hilft dem Körper die bereits mobilisierte, überschüssige und gehaltene Energie zu verbrauchen.

Ein Beispiel aus dem Alltag:

Sie fahren in der Früh mit dem Auto zur Arbeit und haben es eilig. Ein anderer Fahrer schneidet vor Ihnen hinein = Reiz, von Ihnen als Stress bewertet – Sie ärgern Sich: Die Reaktion könnte Wut sein – Sie mobilisieren Energie, um zu hupen = Kampfansage. Weil Sie spät dran sind, versuchen Sie unauffällig zu Ihrem Sitzplatz zu gelangen um die Konfrontation mit einem Kollegen zu vermeiden = Flucht. Dieser hat Sie leider gesehen und dem Chef gemeldet. Nun stehen Sie vor ihm und müssen Sich Vorwürfe anhören. Da Kampf oder Flucht hier keine Option sind, stehen Sie regungslos da = freeze. Erst im Nachhinein (Entspannung) fallen Ihnen die richtigen Worte ein.

"Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit."

– Viktor Frankl

Zittern ... eine Schwäche?

Bedrohliche Situationen werden gerade durch die Ereignisse der letzten Jahre wieder häufiger erlebt – die dahinterstehende Emotion ist Angst. Doch unabhängig vom tatsächlichen Ereignis bereitet sich unser Körper immer auf die gleiche Art und Weise in, von uns so empfundenen Stresssituationen, mehrmals täglich auf "das Überleben" vor: Energiemobilisierung für Kampf oder Flucht und, wenn diese nicht möglich sind, Immobilisierung/Erstarrung.

Neurogenes Muskelzittern ist, wie oben erwähnt, eine evolutionär angelegte und damit völlig normale physiologische Reaktion unseres Körpers. Kindern wird das meist noch zugestanden, aber in unserer Kultur wird es oft als Schwäche interpretiert und wir schämen uns sogar dafür, weil es wie eine Art "Kontrollverlust" wirkt. Schüttelnde unwillkürliche Bewegungen, wie z.B. bei Morbus Parkinson oder anderen Syndromen, sind hier nicht gemeint.

 

Fehlt nach einer Kampf/Fluchtmobilisierung die Erholungsphase bzw. nach einer Erstarrung das Entladen der bereitgestellten Energie, verbleiben die aktivierenden Stresshormone im Organismus. Für den Alltag bedeutet das, dass wir ohne einer vollständigen Rückregulierung entweder in ständiger Kampf/Fluchtbereitschaft leben oder uns als handlungsunfähig (gelähmt) erleben. Das beeinflusst unser Wohlbefinden, unsere Gedanken, Gefühle und die Verbindung zu den Mitmenschen. Unsere Resilienz sinkt – stressbedingte Erkrankungen sind die Folge.

… in über 40 Ländern

TRE® hat nichts mit einem körperlichen Training, Leistung  oder Anstrengung zu tun. Die Vorübungen im Stehen zielen auf eine leichte Ermüdung und Dehnung der großen Körpermuskeln ab, wodurch anschließend im Liegen, ein Zittern, Vibrieren oder Schütteln v.a. von den Hüftbeugern ausgehend, angeregt werden kann = neurogenes Zittern. Das Zittern wird von den meisten Menschen als angenehm und entspannend empfunden. Beim TRE®-Prozess geht es um das Ein- und Zulassen der natürlichen Bewegungen des Körpers und nicht kopfgesteuert eine Entspannung erreichen zu wollen.

Da unsere Erfahrungen, Bewertungen, Emotionen und die damit verbundenen Gefühle im Körper abgespeichert sind, kann es sein, dass diese während des Zitterns hochkommen. Durch die Selbstregulierung und das Respektieren der eigenen Grenzen kann der Prozess jederzeit abgebrochen bzw. wieder fortgesetzt werden und auftauchende Gefühle/Emotionen können langsam, ähnlich den Staustufen eines Wasserfalls, bewältigt und integriert werden.

TRE® wird auf der ganzen Welt von vielen Tausenden Menschen angewendet, z.B. nach überwältigenden Ereignissen wie Naturkatastrophen und Kriegsschauplätzen und von unterschiedlichsten Personengruppen wie z.B. Militär, Polizei; Schulen, Fußballvereine, …

TRE® - Hilfe zur Selbsthilfe

Üblicherweise wird TRE® alleine Zuhause, in Einzelbegleitung, in Gruppen und sogar online praktiziert. Jede dieser Möglichkeiten bietet Raum für wirklich interessante Veränderungen; alte bzw. bekannte Muster können sich lösen und neuem Erleben Platz machen.

Zertifizierte TRE®-Provider sind sorgfältig ausgebildet, international vernetzt und nehmen regelmäßig an nationalen bzw. internationalen Fortbildungsveranstaltungen teil. Auf der website von Dr. David Berceli finden sich viele Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von TRE®.

TRE® ersetzt jedoch keine Therapie, die Übungen sind zur Selbstanwendung gedacht. Einmal erlernt, kann dieser natürliche Prozess zum Entladen und zum Spannungsabbau bei akutem oder chronischem Stress ganz individuell ausgeübt werden.

Mein Angebot

… richtet sich an Einzelpersonen, Gruppen und Firmen.

Als zertifizierte TRE®-Providerin vermittle ich Ihnen die fachgerechte Anleitung der Übungen mit besonderem Augenmerk auf Ihre persönliche Selbstregulierung. Die Bedeutung des theoretischen Hintergrundes für den Alltag fließt vor allem im Einzelsetting, in meinen Vorträgen und in den workshops mit ein.

Vorteile der Einzelarbeit: Individuelle Begleitung mit mehr Möglichkeiten, die Übungen zu variieren und an Ihre körperlichen Gegebenheiten anzupassen; Kennenlernen verschiedener Methoden bzw. Feinheiten zur Selbstregulierung.

Damit steigt auch Ihr Körperbewusstsein, was Ihnen wiederum in einem stressreichen Alltag zugutekommt. Die persönliche Betreuung im Einzelsetting bietet viel Sicherheit für das Erleben, wodurch auch Gefühlen und Emotionen leichter Raum gegeben werden kann.

Vorteile einer TRE®-Gruppeneinheit: Treffen mit Gleichgesinnten; neue Erfahrungen durch das gemeinsame Feld; Begleitung durch einen ausgebildeten TRE®-Provider; leichterer Einbau in den Alltag durch Regelmäßigkeit.

Eine andere Möglichkeit bietet die Teilnahme an einem Einführungsworkshop.

Für weitere Auskünfte stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.

"The paradox of trauma is that it has both the power to destroy and the power to transform and resurrect."

– Peter A. Levine